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Übertakten von CPU und Grafikkarten
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Autor Übertakten von CPU und Grafikkarten
der echte joker
(Administrator)
Treiber-Gottvater

13799 Beiträge
Erstellt am: 20.03.2007 um 13:08 Uhr

Vorwort:

Übertakten (Overclocking oder kurz OC)

In diesem Sticky geht es um Tipps die Leistung der CPU, bzw. der GPU (Grafikkarte) des Rechner zu erhöhen. Nicht immer lohnt es wirklich zu Übertakten! So hat z.B. ein aktuelles System mit Multi Core CPU und/oder aktueller Grafikkarte der oberen Preisklasse, genug Power um auch mit normaler Taktung eine gute bis sehr gute Performance zu bieten. Andererseits mangelt es CPUs der unteren Preisklasse grundsätzlich an Performance. Da bringt dann auch eine "extreme" Takterhöhung nur sehr wenig Mehrleistung.

Das Übertakten ist zusätzlich noch von vielen Faktoren abhängig, u.a. dem Prozessor Typ, dem verwendeten Speicher und der zusätzlich eingebauten Komponenten. Ihr solltet euch vor dem Übertakten mit grundlegenden Funktionen im BIOS auskennen und das Handbuch zum Rechner nach Möglichkeit parat haben. Beim OC, insbesondere des Speichers, kann es sehr schnell passieren, dass der Rechner nicht mehr bootet (nichteinmal mehr ins BIOS!). Um dem vorzubeugen, solltet ihr wissen wie man einen CMOS Reset (zurücksetzen des BIOS) durchführt!

Ein weiteres grundlegendes Problem beim OC ist:

Je schneller, desto wärmer, desto fehleranfälliger

Wärmer bedeutet, dass sämtliche Komponenten im Rechner, d.h. CPU, GPU, Speicher, Chipsatz und teilweise sogar Stromregler auf dem Mainboard wärmer bzw. sehr heiß werden können! Abhilfe schaffen gute Kühler und Wärmeleitpaste (kurz WLP). Es ist sehr wichtig, dass der Rechner gut durchlüftet wird. Ein Lüfter im unteren vorderen Bereich des Rechners sorgt dafür, dass kühlende Luft eingesaugt wird, während ein Lüfter im oberen hinteren Bereich die warme Luft wieder ausführt.
(Warme Luft steigt nach oben, wobei kalte Luft gen Boden sinkt!)

Fehleranfälligkeit äußert sich von harmlosen wiederholten Abstürzen, über Betriebssystemfehlern, bis hin zu durch Überhitzung und Überspannung bleibenden Schäden! Daher immer vorsichtig Übertakten!

Grundsätzlich ist es nicht möglich jedes System gleichermaßen zu Übertakten, denn das hängt sehr stark von der Herstellung der CPU´s und GPU´s bzw. deren Boards ab. Selbst vermeintlich gleiche CPUs und Grafikkarten können häufig nur unterschiedlich hoch Übertaktet werden!

Da beim Übertakten auch mehr Strom benötigt wird, ist ein vernünftiges Netzteil wichtig! Prinzipbedingt ist es nicht zu empfehlen Notebooks zu Übertakten! Diese sind dafür nicht konzipiert, da ihnen die zur Abwärme nötigen leistungsstarken Lüfter fehlen! Ein Hitzestau ist hier schnell die Folge, damit ein schneller Defekt des Notebooks! Eventuell noch vorhandene Garantie wird hierbei oft nicht gewährt!


Alle Versuche der Übertaktung geschehen auf eigene Verantwortung!

Vorweg:
Nahezu jeder Hersteller eines Mainboards legt heute ein Übertaktungstool bei. Dieses ist auf das jeweilige Board optimal ausgerichtet und lässt eine gute und einfache Übertaktung zu. Bitte benutzt, wenn die Möglichkeit besteht zuerst dieses Tool!

Die CPU Übertakten

Es gibt mehrere Arten die CPU zu übertakten.

1. Front Side Bus (im BIOS)
Der Front Side Bus (kurz FSB) gibt den Takt aller angesprochenen Geräte vor. Je nach Gerät wird dabei ein Teiler (Dividieren), bzw. ein Multiplikator (Multiplizieren) eingesetzt. Der Grundtakt wird dabei entsprechend heruntergesetzt, bzw. erhöht. Siehe auch Anhang!

(Beispiel):

Multiplikator x FSB = Takt
Athlon 64 4000+ (Sledgehammer) = 12 x 210 (orig. 200) = 2520 MHz
Intel Core 2 Duo E6400 (Conroe) = 8 x 276 (orig. 266) = 2208 MHz

(Der FSB wurde in diesem Beispiel um jeweils 10 MHz angehoben)


Die einfachste und meist auch effektivste Methode ist es den Front Side Bus im BIOS zu erhöhen. Dabei können je nach Mainboard auch gleichzeitig CPU und Speicher übertaktet werden. Allerdings werden dabei auch PCI, PCIe und AGP Bus übertaktet. Auch die auf dem Board integrierten Audio/Video/IDE/Raid Komponenten werden übertaktet. Das kann häufig zu Fehlverhalten führen, da diese auf den veränderten FSB empfindlicher reagieren! Der FSB lässt sich daher speziell für diese Komponenten auf vielen Board feststellen, d.h. diese werden dann immer so getaktet wie es vorgesehen war und nur der CPU und evtl. Speicher FSB werden erhöht. Auf einigen Boards müssen dafür möglicherweise auch Jumper gesteckt werden!

Mögliche Bezeichnungen (BIOS abhängig)
"Fixed PCI (AGP/PCI) Frequency"
"AGP (PCI) Ratio..."
"PCI Clock/CPU FSB Clock"
Manchmal ist auch eine feste Taktung bzw. der jeweilige Faktor angegeben.


2. Übertaktung unter Windows (per Software)
Ähnlich wie unter Punkt 1 wird auch hier nur der FSB erhöht, allerdings im laufenden Betrieb! Es besteht die Möglichkeit das während der Übertaktung der Rechner stehenbleibt (Freeze). Das ist zwar ungefährlich, aber evtl. laufende Anwendungen sollten vorher abgespeichert und beendet werden, damit keine Daten verloren gehen. Nach einem Reset wird der ursprüngliche bzw. der zuletzt funktionierende Wert eingestellt.


3. Multiplikator erhöhen (BIOS und Software)
Der Multiplikator gibt den Faktor an, mit dem die CPU in Abhängigkeit des FSB getaktet wird. Daraus ergibt sich eine weitaus umfangreichere Möglichkeit der Übertaktung, da hier mit jeder Erhöhung um den Faktor 1 der Takt der CPU um den Wert des eingestellten FSB erhöht wird!

(Beispiel):

Multiplikator x FSB = Takt
Athlon 64 4000+ (Sledgehammer) = 13 (orig. 12) x 200 = 2600 MHz
Intel Core 2 Duo E6400 (Conroe) = 9 (orig. 8) x 266,6 = 2394 MHz

(Multiplikator jeweils um Faktor 1 angehoben)


Diese Methode ist ideal da der FSB unangetastet bleibt. Viele CPUs lassen allerdings eine Veränderung des Multiplikator nicht zu, bzw. es ist nur der vorgegebene Wert als Maximum möglich, mit dem die CPU arbeitet. Bei einigen CPUs gibt es Tricks diesen dennoch zu erhöhen, teilweise allerdings nur Hardwareseitig, z.B. mit Löten bzw. Verdrahten der Pins. Einige dieser Methoden sind gut Dokumentiert im Netz zu finden, allerdings ist immer ein gewisses Risiko damit verbunden die CPU zu beschädigen!

Die Erhöhung des Multiplikators sollte dann auch immer nur in kleinstmöglichen Schritten erfolgen!


GPU (Grafikkarte) Übertakten

Vorbereitend sollten die aktuellsten Grafikkartentreiber installiert sein. Beachtet das der Leistunggewinn auch vom Alter der Grafikkarte und dem des Spiels abhängig ist! Eine besonders alte Grafikkarte zu Übertakten um ein aktuelles Spiel ruckelfrei zu Spielen ist kaum realistisch. Eine Moderne High-end Grafikkarte dagegen für ältere Spiele, bzw. aktuelle Spiele die gut laufen zu Übertakten ist genauso sinnlos. Kleinere, vereinzelt vorkommende Ruckler sind dagegen fast immer durch Übertaktung auszumerzen. Wie auch bei den CPU´s ist ein guter Kühler sehr wichtig! Passive Karten (ohne Lüfter) sollten i.d.R. nicht übertaktet werden! Und auch hier ist eine vernünftige Gehäuselüftung Voraussetzung!

Beim Übertakten der Grafikkarte gibt es 2 unterschiedliche Einstellungen:
Core-Clock: Das ist der Takt der GPU. Die GPU ist der Prozessor der Grafikkarte. Er dient der Berechnung der Grafik, und hat daher den größten Einfluss auf die Leistung.

Memory-Clock: Der Takt des Speichers. Er speichert Frames und Texturen, die von der GPU laufend gelesen und geschrieben werden.

Darüberhinaus besitzen neuere Grafikkarten auch einen getrennten, unabhängig übertaktbaren Shader- und Pixel-Takt!

Core- und Speicher-Clock sollten nur in 5 MHz Schritten erhöht werden. Danach sollte ein Ausgiebiger Test durchgeführt werden. Dafür eignen sich Benchmark Programme wie 3D Mark 2005/2006 am besten. Hier lassen sich auch gleich der Leistunggewinn erfahren! Aber auch komplexe Spiele sind sehr gut geeignet!

Es gilt hier die Temperaturen genau zu beobachten! Temperaturen von deutlich über 80° können bereits zu dauerhaften Schäden führen!

Sollten nach dem Übertakten in Spielen/Benchmarks die ersten Grafikfehler auftreten, ist ein sofortiges heruntertakten um mindestens 5 MHz anzuraten!


Schritt für Schritt zum Erfolg!
Übertaktet wird immer schrittweise. Beim Front Side Bus in 1-2 MHz Schritten, bei Grafikkarten in 5 MHz Schritten! Ein Stresstest (auch Burn in Test) beugt Fehlverhalten auf langer Sicht vor. Testprogramme mehrfach durchlaufen lassen. Bei Grafikkarten mehrere Spiele intensiv zocken!

Wichtig! Die Temperaturen sollten bei allen Übertaktungen beobachtet werden!

Hardware Sensors Monitor - Temperatur und Lüfterüberwachung, Demo
Motherboard Monitor - Temperatur und Lüfterüberwachung, Freeware
Speedfan - Temperatur und Lüfterüberwachung
CPU Cool - Temperatur und Lüfterüberwachung, Aufzeichnungsmöglichkeit, Demo
Everest - Temperatur und Lüfterüberwachung, Systeminfos
CPU-z - Systeminfos

Prime95 - CPU Stresstest, Testet nach OC die Stabilität (Torturetest Nr.2 auswählen)
3D Mark 06 - Grafik Stress und Leistungstest, Testet nach OC die Stabilität
Everest Ultimate - Stresstests für CPU und Speicher mit Temperatur Überwachung


Hier die notwendigen Programme zum Übertakten:

CPU
ClockGen - AMD & Intel Basierte Chipsätze und CPUs
CrystalCPUID - AMD Basierte Chipsätze und CPUs
AMD OverDrive - Ebenfalls AMD Basierte Chipsätze und CPUs
Intel Control Center - Intel Basierte Chipsätze und CPUs
Notebook Hardware Control - Speziell für (Centrino) Notebooks Optimierte Software!


GPU
RivaTuner - Grafikkarten einstellungs- und übertaktungs Tool (ATi & nVidia)
ATITool - Grafikkarten übertaktungs Tool (ATi & nVidia)



Weiteres Übertakten mittels Spannungerhöhung (Achtung! Gefährlich)

Viele wollen noch mehr Takt aus ihrer CPU kitzeln. Ein Trick dabei ist es die Spannung um bis zu 0,1 Volt zu erhöhen, manchmal sogar 0,2-0,3 V. Auch wenn das nicht viel zu sein scheint, so ist bei Normspannungen von roundabout 1,5 Volt ein Zehntel Volt schon erheblich! In der Regel stabilisiert man damit die CPU, d.h. auch höhere Taktraten laufen meist problemlos. Haken der Sache ist die deutlich höhere Wärmeentwicklung und auch die Lebensdauer verringert sich dramatisch. Ich rate aber dringend von solchen Methoden ab! Mit welchen Nennspannungen die CPU´s arbeiten, erfahrt ihr hier.


Mal andersherum Untertaktung

Das Untertakten von CPU und Grafikkarte hat einige Vorteile, so wird z.B. Strom gespart, die Lebensdauer steigt und die Kühlung darf weniger aufwendig sein, evtl. sogar vollkommen Passiv. Die damit einhergehende Ruhe ist eine echte Wohltat. Dabei reicht es sogar häufig den Takt nur geringfügig herab zu setzen, ohne das die Leistung dabei einbricht. Moderne CPU´s besitzen allerdings von Haus aus eine Stromspar-Funktion! Die nennt sich Cool&Quiet (AMD) bzw. Intel-SpeedStep (Intel). Beide senken im Betrieb die Taktung und Spannung der CPU während diese nichts zu tun hat.


BIOS Kompendium - Alle Informationen rund ums BIOS



Anhang:

Hertz (Hz, kHz, MHz, GHz)
Central Processing Unit (CPU)
Grafikprozessor (GPU)
Front Side Bus (FSB)
Double Data Rate (DDR)
Chipsatz
Accelerated Graphics Port (AGP)
Peripheral Component Interconnect (PCI)
Peripheral Component Interconnect Express (PCIe)




Solltet ihr Fehler finden oder Verbesserungsvorschläge haben, wendet euch per PM (Mein Treiber.de) an mich oder an einen anderen Mod. Danke.



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Die Anwendung der aufgezeigten Tipps und Tricks, sowie Beschreibungen erfolgt auf eigene
Gefahr.

IN KEINEM FALL IST TREIBER.DE FÜR ENTGANGENEN UMSATZ ODER GEWINN
ODER DEN VERLUST VON DATEN ODER FÜR DIREKTE, INDIREKTE, SPEZIELLE,
LOGISCH FOLGENDE, BEILÄUFIGE ODER EINSCHLIEßENDE SCHADENSERSATZANSPRÜCHE
VERANTWORTLICH.


Zuletzt bearbeitet von der echte joker am 20.02.2011 um 01:29 Uhr.

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